Sprinkles(TM) – Ein einfaches, aber sehr effektives Konzept! Teil 2

 In Hundetraining

In Teil 1 wurde erklärt, was Sprinkles™ ist und was es nicht ist, welche Vorteile es bringt und wie man es am Besten durchführt. Hier ein kleiner Rückblick:

Sprinkles hilft das Langzeit-Stresslevel des Hundes zu reduzieren, da es den Hund mental auslastet, Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten schafft und einen tiefen, erholsamen Schlaf fördert. Des Weiteren erfüllt es das natürliche Bedürfnis des Hundes seine Nase einzusetzen.

Es freut mich sehr, dass Sprinkles™ von Sally Hopkins einen großen Anklang bei vielen Hundehaltern in Deutschland gefunden hat und es sich positiv auf die Hunde auswirkt. Im zweiten Teil der Übersetzung aus dem Original geht es nun unter anderem um mögliche Ursachen, weswegen ein Hund nicht an Sprinkles interessiert sein könnte und wie man Sprinkles bei bestimmtem Problemen einsetzen kann.

HIER findet ihr zuvor noch ein paar Impressionen von Hunden während einer  Sprinkles-Session! Ich danke den Haltern für das zur Verfügung stellen des Bildmaterials.

Gründe, warum der Hund nicht an Sprinkles interessiert sein könnte

  • Stress: Versuche Stresssanzeichen und den Stresslevel des Hundes zu überwachen und Stressoren zu reduzieren. Wenn du Hilfe dabei benötigst, wende dich am Besten an einen Trainer/Verhaltensberater vor Ort.
  • Appetitlosigkeit: Führe die nächste Sprinkles-Session zu einer anderen Tageszeit durch und am Besten vor einer Hauptmahlzeit und/oder reduziere die tägliche Futterration deines Hundes, um den Sprinkles-Anteil in der täglichen Menge berücksichtigen zu können. Variiere das Sprinkles-Futter.
  • Anwesenheit des Halters: Bei Hunden, die sich in der Anwesenheit des Menschen ohne deren Anweisungen nicht mehr natürlich und unabhängig verhalten können (durch zu viel Training und Kontrolle), ist es am Besten, die Hunde beim Sprinkles alleine zu lassen, damit die Hunde wissen, dass sie jetzt “außer Dienst” sind. Sollte dies nicht möglich sein (z.B. außerhalb des Gartens) dann sollte sich der Mensch sehr ruhig verhalten, keinen Augenkontakt aufbauen sowie keine verbalen Signale oder Sichtzeichen geben.
  • Krankheit: Hunde haben manchmal Schmerzen, ohne das wir Hundehalter es realisieren. Muskelkrämpfe oder eingeklemmte Nerven im Nacken, Schulter oder Rücken können das Schnüffeln am Boden unangenehm machen. Ebenso Arthritis und Rheuma.
  • Schlechte Assoziationen: z.B. mit bestimmtem Futter, welches der Hund in der Vergangenheit stehlen wollte und dafür bestraft wurde; oder aber auch direkt mit bestimmten Orten. Sollte sich im Haushalt ein weiterer Hund befinden, der Futter bewacht (Ressourcenverteidigung), kann es sein, dass Hund A Angst davor hat, Futter zu suchen in Bereichen, die auch Hund B bewohnt. Sollte dies der Fall sein, dann sollte Hund A Sprinkles an Orten durchführen, die neutral sind und keine Geruchs-Vergangenheit von Hund B hat. Ebenfalls sollten Solo-Sprinkles durchgeführt werden.

Mehrhundehaushalt? – Fang mit “Solo-Sprinkles” an!

Wenn du mit mehr als einem Hund zusammen lebst, dann stell sicher, dass jeder der Hunde erst einmal lernt, für sich alleine und in Ruhe zu sprinklen. Durch diese Solo-Sprinkles können die Hunde eine starke Vergangenheit von Selbstvertrauen aufbauen so wie der Fähigkeit, jedes mal erfolgreich zu sein. Nach ein oder zwei Wochen kann man versuchen, dass beide Hunde zusammen rausgehen und einen gemeinsamen Sprinkles Spot absuchen, insbesondere wenn die Grasfläche sehr groß ist und genügend Platz zum ausweichen für beide Hunde vorhanden ist; sie aber trotzdem zusammen die verteilten Sprinkles “jagen” können.

Wenn “Mehrhunde-Sprinkles” zu schnell durchgeführt werden, läuft man Gefahr, dass die Hunde eine Vorgeschichte aus Stress, Wettkampf und Veranlagung zur Ressourcensicherung aufbauen oder hilflos und unsicher werden, in der Nähe des anderen Hundes zu arbeiten.

Ressourcenverteidigung

Wenn es im Mehrhundehaushalt Probleme mit Ressourcenverteidigung gibt, dann wäre es gut, mit Solo-Sprinkles auf neutralem Boden zu beginnen, z.B. könnten man einen “hundelosen” Nachbar mit Garten um Hilfe bitten und die Hunde einzeln nach einander dort sprinklen lassen. Auf diese Weise müssen sie das Futter nicht direkt vor dem anderen Hund verteidigen, riechen aber, dass der andere Hund auch an diesem Ort war und können so eventuell positive Assoziationen herstellen. Wenn das gut funktioniert, dann kann man an einem anderen neutralen Ort fortfahren.

Nach einiger Zeit könntest du versuchen, mit Solo-Sprinkles im eigenen Garten zu starten und nach längerer Zeit den anderen Hund zu integrieren – aber Achtung, Platz ist ein kritischer Faktor! Beide Hunde müssen viel Platz zum Erkunden haben ohne zu nah an den anderen Hund zu kommen und es sollten viele, viele kleine Sprinkles über eine große Fläche verteilt sein, slo dass es für die Hunde sinnlos scheint zu versuchen, alle Sprinkles zu verteidigen. Sally Hopkins Ratschlag ist: Wenn man Zweifel hat, ob es klappt – lieber weiterhin nur Solo-Sprinkles machen.

Wann und wie oft sollte man Sprinkles machen?

Dein Hund sollte nicht müde oder grade gefüttert worden sein. Eine ideale Zeit um Sprinkles zu lernen, ist früh morgens im Garten, während du frühstückst. Wie oft man seinem Hund Sprinkles-Session anbietet, hängt von den mentalen und körperlichen Bedürfnissen deines Hundes ab. Sally Hopkins empfiehlt es einfach auszuprobieren: jeden zweiten Tag oder 2-3 mal die Woche oder ein-, zweimal im Monat und zu schauen, wie der Hund darauf reagiert. Ein Sprinkles-Session jeden Tag könnte bei weitem zu viel sein für viele Hunde und Sprinkles würde zudem seine Neuartigkeit und Herausforderung verlieren wenn man es zu regelmüßig durchführt.

Allein zu Hause

Da Sprinkles mental anstrengend und ermüdend ist, ohne das die Muskeln übermäßig beansprucht werden (was den Adrenalin Level anheben würde), ist es eine ideale Tätigkeit, bevor der Hund ein paar Stunden alleine zu Hause gelassen wird. Das ruhige Haus gibt deinem Hund dann die Möglichkeit, danach tief und ungestört zu schlafen.

Umzug

Du kannst dem Hund Sprinkles Session im Garten des neuen Hauses anbieten, 3 bis 4 mal bevor ihr tatsächlich einzieht. So erhält er direkt positive, ruhige Assoziationen mit der neuen Umgebung und hat einen Ort zum Entspannen, während im Haus der Umzugsstress abläuft.

Bei was Sprinkles noch helfen kann

Sobald du und dein Hund vertraut und glücklich mit Sprinkles seit, könnt ihr bestimmte Sprinkles-Spots auf euren Spaziergängen einbauen. Hier ein paar Probleme, bei denen Sprinkles helfen kann:

  • Ablenkung / “Emrgency Stop”: z.B. in Fällen von Frustration/Angst bei Fremden/anderen Hunden kann Sprinkles eine Hilfe sein (es ist aber keine ganzheitliche Lösung!!); anstelle von einem bestimmtem Platz als Sprinkles Spot, machst du die Stelle DIREKT HINTER DIR zum Sprinkles Spot. Dein Körper ist wie eine Sicherheitsbarriere vor dem Objekt, welches der Hund fürchtet. Gleichzeitig lenkt es die Aufmerksamkeit des Hundes auf etwas, was er gerne tut.  Ein weiterer Vorteil Sprinkles in dieser Situation zu nutzen, ist, dass das Schnüffeln am Boden ein natürliches Beschwichtigungssignal für andere Hunde ist und damit hilft es, die Situation zu entschärfen. Die kleinen Sprinkles-Häppchen am Besten in einem luftdichten, kleinen Behälter mitführen, so dass dein Hund nicht weiß, ob du Futter dabei hast oder nicht. Werfe eine angemessene Menge Sprinkles direkt hinter dich und sag ruhig aber laut genug (während du dich vom Hund abwendest) “Bitte Abstand halten!” (wenn der Hund sich vor anderen Menschen fürchtet) oder “Bitte rufen Sie Ihren Hund zu sich!”, wenn andere Hunde das Problem sind. Nach einiger Zeit wird dein Hund dein Wegdrehen und die ausgesprochene Bitte als Signal für die startende Sprinkles-Session direkt hinter dir assoziieren. Übe den Ablauf erst in deinem sicheren Garten und dann in sicheren Umgebung ohne den Auslöser in der Nähe. Nach einiger Zeit kannst du die Distanz zum Auslöser verringern, bevor du deinem Hund die Sprinkles-Session hinter dir als Ausweich-Möglichkeit bietest. Eventuell wird dein Hund eine starke Assoziation aufbauen, dass das was immer er gefürchtet hat, nun eine angenehme und belohnende Situation darstellt, da Sprinkles ihn beruhigt, motiviert und mental auslastet.
  • “Höfliche” Körpersprache lernen: Bitte beachten, dass diese  “Kennenlern-Treffen” sehr ermüdend für Hunde sind und maximal 5 bis 10 Minuten durchgeführt werden sollten.  Zwei Hunde können sich entspannt gegenseitig vorgestellt werden, jeder Hund an einem anderen Ende eines großen Feldes; jeweils mit Sprinkles Spot versehen. Natürliche Barrieren wie Büsche und Bäume in der Mitte sind vom Vorteil, aber nicht notwendig solange genügend Platz vorhanden ist und für beide Hunde das Gefühl von Freiheit entsteht. Beide Hunde sollten auch eine Flucht-Möglickeit haben mit separaten Ausgängen.  Beide Hunden sollten an einer lockeren, langen Leinen gesichert sein, festgehalten von den Besitzern. Obwohl beide Hunde konzentriert auf die Jagd nach ihren Sprinkles sind, sind sie sich der Anwesenheit des anderen Hundes bewusst. Ihre ruhige Körpersprache und durchgehendes Schnüffeln sind ähnlich der natürlichen “höflichen” Körpersprache des Hundes. Nach drei oder vier wöchentlichen Sessions fühlen sich die meisten Hunde angenehm in der Anwesenheit des anderen Hundes. Nach längerer Zeit können neue Sprinkles Gegenden erkundet werden und leichte “Social Walks” mit dem anderen Hund durchgeführt werden. Stelle immer sicher, dass beide Hunde die Option haben, sich vom anderen Hund wegzubewegen, wenn sie das möchten – benutze keine kurze oder straffe Leine.

 

Aila

 

In Teil 3 von “Sprinkles™ – Ein einfaches, aber sehr effektives Konzept” erfahrt ihr unter anderem, wie man Sprinkles in Tierheimen und Tierpension anwenden kann und wie es ängstlichen Hunden dabei hilft, Vertrauen und Selbstvertrauen aufzubauen.

 

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