Empowerment – Training

 In Hundetraining

Bevor wir uns anschauen, wie “Empowerment-Training” aussehen kann, noch ein kurzer Rückblick auf Teil 1 “Empowerment – Möge die Macht mit Fiffi sein”.

Wir haben uns die Definition von Empowerment nach James O’Heare angeschaut, die wie folgt lautet:

Der Prozess, bei dem Individuen Verhaltensmuster erlangen, welche effektiv und effizient Verstärker berühren und aversive Konsequenzen vermeiden oder dazu führen, ihnen zu entkommen.¹

 

Des Weiteren charakterisiert O’Heare Empowerment mit den Verhaltensmustern Kreativität, Ausdauer/Beharrlichkeit/Emsigkeit und Belastbarkeit/Widerstandsfähigkeit.

Mit Empowerment-Training erreichen wir, dass der Hund das bestmögliche Wohlbefinden erreicht oder aufrecht erhält. Dies ist darin begründet, dass ein Hund, der gelernt hat kreativ zu sein, d.h. neue Verhaltensweisen auszuprobieren und in Problemsituationen diese auch anzuwenden um so eine Strategie zur Problemlösung zu entwickeln, und dabei noch gelernt hat, mögliche frustrierende Hindernisse zu überwinden und beim ersten Problem nicht gleich aufzugeben oder zurück zu schrecken, dieser Hund besser in seiner Umwelt agieren kann. Der Hund hat gelernt selbst Strategien zu entwickeln, selbst positive Konsequenzen durch sein selbstbestimmtes Handeln zu erlangen. Er hat gelernt, dass er handeln darf und das er damit etwas in seiner Umwelt bewirken kann und dass wir als Halter ihn dabei auch noch unterstützen. “Macht und Kontrolle” über sich selbst und seine Umwelt zu haben, das ist Empowerment.

Das Handeln des Hundes ist nicht bestimmt von Angst und Meideverhalten, von Zurückhaltung und einem Zustand aus Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit. Das wäre das Gegenteil von Empowerment. Ein Hund, der gelernt hat, dass sein Handeln ihn NICHT zum Erfolg führt. Das er sich nicht selbstwirksam aus unangenehmen Situationen rausführen kann. Ausgeliefert zu sein. Machtlos.

 

Wie können wir Fiffi nun helfen, “die Macht” zu erlangen?

Hunde können lernen kreativ, beharrlich und widerstandsfähig zu sein. Wir können Empowerment konditionieren.

Positive Verstärkung ist das Zauberwort. Positive Verstärkung heißt, dass die Konsequenz, welche direkt dem Verhalten des Hundes folgt, für diesen etwas angenehmes ist, was hinzugefügt wird.  Jeder Hund entscheidet selbst, was für ihn ein positiver Verstärker ist. Dies mag bei dem einem überwiegend Futter sein, bei dem anderen ein gemeinsames Rennspiel oder ein Zerrspiel oder oder oder. Je mehr Verhaltensweisen des Hundes positiv verstärkt wurden um so mehr Verhalten hat er auch in seinem Repertoire, die er mit Freude zeigen möchte. Verhaltensweisen, bei denen er weiß, dass sie ihm positive Konsequenzen bringen, die sein Wohlbefinden steigern. Gleichzeitig bringt es ihm auch Vorhersagbarkeit. Er weiß, was er zu erwarten hat. Er kann mit seinem Verhalten selbstwirksam sein Wohlbefinden steigern.

Trainiere ich nun neue Verhaltensweisen mit meinem Hund, dann tue ich dies über positive Verstärkung. Gleichzeitig gestalte ich die Umwelt so, dass der Hund effizient und effektiv an den positiven Verstärker gelangen kann. Vor allem am Anfang des Trainings. Nach und nach kann man kleine Schwierigkeiten einbauen, so dass der Hund gleichzeitig lernen kann, diese Schwierigkeiten zu überwinden, leichten Frust zu ertragen und beharrlich zu bleiben, um den positiven Verstärker zu berühren. Bewältigungsstrategien entwickeln, um im “wahren Leben” nicht durch aufkommende Probleme aus der Bahn geworfen zu werden. Widerstandsfähig sein.

Eine Trainingsmethode ist das sogenannte Shaping, d.h. das “formen” eines Verhaltens. Beim “Shaping” werden schrittweise Annäherungen an das Endverhalten positiv verstärkt. Um von einer gezeigten Annäherung zur nächsten und damit näher ans Endverhalten zu kommen, werden zuvor gezeigte Verhalten nicht mehr verstärkt, sondern erfahren keinerlei Konsequenz. Durch diese fehlende Konsequenz versucht der Hund anderweitig den Verstärker zu berühren und wird kreativ. Verhalten ist variabel. Der Hund probiert etwas neues aus und sei es nur eine minimale Abwandlung des alten Verhaltens. Dies führt zur positiven Verstärkung der neuen Verhaltensweise und somit Schritt für Schritt zum Endverhalten.  Dadurch lernt der Hund, dass er mit seinem eigenem Verhalten die Konsequenz und somit die Umwelt beeinflussen kann. Dass er selbst Einfluss darauf hat, den positiven Verstärker zu berühren, aber auch gleichzeitig lernt, mit Frust umzugehen, wenn die zuvor verstärkte Verhaltensweise ihn nun nicht mehr zum Ziel bringt. Er muss am Ball bleiben, er muss neues ausprobieren. Er lernt Probleme zu lösen und wird dabei von seinem Halter unterstützt, ermuntert und bestätigt.

Enrichment, die Bereicherung der Umwelt des Tieres, die Förderung und damit Auslebung natürlicher Verhaltensweisen, trägt ebenso zu Empowerment bei. Statt das Futter schnöde in den Napf zu werfen, kann dies dem Hund durch Futterspielzeug präsentiert werden, so dass der Hund sich das Futter erarbeiten kann unter Nutzung all seiner Sinne, insbesondere seiner Nase. Futterspielzeuge (ob selbstgebastelt oder gekauft) gibt es in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Der Hund muss aktiv arbeiten um an das Futter zu kommen. Fällt es nicht einfach so heraus, muss er den ersten Frust überwinden und eine neue Strategie suchen. Gleichzeitig ist es sein Verhalten, welches in selbstständig an das Ziel führt. Auch hier werden Kreativität, Beharrlichkeit und Widerstandsfähigkeit geschult.

Kooperationssignale – den Hund aktiv mit einbeziehen und entscheiden lassen. Mit sogenannten Kooperationssignalen hat der Hund die Kontrolle über das, was man mit ihm macht. Nehmen wir als Beispiel Körperpflege. Anstatt den Hund zu den Körperpflege-Maßnahmen zu zwingen und ihn unter Zwang in Position zu halten, solange bis die Prozedur geschafft ist, können wir dem Hund zum einem diese Maßnahmen kleinschrittig beibringen, so dass er weiß was mit ihm geschieht und er sich darauf einlassen kann und zum anderen ihm ein Signal beibringen, mit welchem er uns mitteilen kann, ob er überhaupt bereit ist oder nicht. Dieses Signal kann zum Beispiel ein Target sein: Solange der Hund das Target berührt, so lange darf man mit der Pflegemaßnahme fortfahren. Der Hund hat gelernt, dass er die Maßnahme beenden kann, wenn er das Target verlässt. Ebenfalls hat er gelernt, dass wenn er wieder bereit dazu ist, das Target erneut berührt, so dass man fortfahren kann und der Hund natürlich auch in Berührung mit seinem Verstärker kommt. Kontrolle über sich selbst und über die Umwelt zu haben, Empowerment.

Neben gezielten Trainingssituationen mit dem Hund zum Erlenen von Kreativität, Beharrlichkeit und Widerstandsfähigkeit, können auch im Alltag viele Kleinigkeiten das Wohlbefinden des Hundes und damit seine Selbstwirksamkeit fördern. Positive, spaßbringende Interaktionen zwischen Hund und Halter. Die Umwelt so beeinflussen, dass der Hund Erfolge erleben kann. Aversive Konsequenzen, die Angst und Meideverhalten auslösen, verhindern. Den Hund nicht absichtlich in Situationen führen, die er nicht meistern kann. Durch Rituale die Vorhersagbarkeit der Umwelt für den Hund steigern. Eine sichere und schützende Umwelt zu schaffen. Verhaltensweisen, auch außerhalb festgesetzter Trainingszeiten positiv verstärken und fördern.

Fazit: Beim Empowerment-Training geht es also nicht nur darum, dem Hund neue Signale beizubringen. Es geht darum, dem Hund beizubringen, dass er mit seinem Verhalten die Umwelt beeinflussen kann und ihm dazu das nötige “Wissen” an die Hand zu geben. Das er durch Kreativität Probleme besser lösen kann. Das er beharrlich bleibt und widerstandsfähig auch in Situationen die frustrierend sind. Das er selbst sein Wohlbefinden beeinflussen kann und vor allem auch darf. Das wir als Hundehalter ihm die Möglichkeit geben, selbstwirksam zu handeln und ihn auch dazu ermutigen und ihn aktiv mit in Trainingsprozesse einbeziehen.

 

 

¹O’Heare (2011) Empowerment, BehaveTechPublishing, Ottawa Canada

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