Empowerment – Möge die Macht mit Fiffi sein!

 In Hundetraining

Schon lange wollte ich einen Beitrag über “Empowerment” schreiben, aber wie das so ist…. irgendwas kommt einem immer dazwischen. Nun waren wir die Tage wie üblich an Feldwegen spazieren, die u.a. zu Windrädern führen. Da wir hier in Ostfriesland einige davon haben, kommt man irgendwann zwangsläufig mal an einem vorbei. Was bei einem Windrad geschah, bewegte mich dazu, nun endlich diesen Beitrag zu schreiben. Und wenn ihr euch jetzt fragt, was Windräder mit Empowerment zu tun haben, dann lest weiter 🙂

Klären wir erst einmal, was mit Empowerment im Hundetraining oder besser gesagt, im Hundealltag, überhaupt gemeint ist.

James O’Heare definiert Empowerment wie folgt:

Der Prozess, bei dem Individuen Verhaltensmuster erlangen, welche effektiv und effizient Verstärker berühren und aversive Konsequenzen vermeiden oder dazu führen, ihnen zu entkommen.¹

Vereinfacht ausgedrückt heißt das, dass der Hund lernt, dass er mit seinem Verhalten die Umwelt beeinflussen kann. Zu dieser Umwelt gehört die Konsequenz, also das was direkt einem Verhalten folgt. Und wie das auch bei uns Menschen so ist, sind Konsequenzen, die einem Freude bereiten, wesentlich erstrebenswerter als aversive Konsequenzen, die uns Angst einflößen oder in Meideverhalten versetzen.

Des Weiteren ist es erstrebenswert, wenn man selbst Einfluss darauf hat, was mit einem passiert. Wenn man die Kontrolle über seine Umwelt hat und damit die Macht besitzt, seine eigene Umwelt selbst zu gestalten. Macht und Kontrolle zu haben, das ist Empowerment. Aus dem englischen “to empower = jmd. zu ermächtigen/Macht verleihen”

Wir rollen damit nicht den alten Mythos auf, dass der Hund die Weltherrschaft an sich reißen wird, wenn ihm zu viel “Macht” verliehen wird. Im Gegenteil:

Der Hund erlangt die Fähigkeit, selbstständig und selbstbestimmt zu agieren und damit positive Konsequenzen wie Freude und Spaß zu erlangen und negative Konsequenzen wie Angst und Meideverhalten zu verhindern oder zu entfliehen.

James O’Heare charakterisiert Empowerment mit folgenden Verhaltensmustern¹:

Kreativität

Ausdauer/Beharrlichkeit/Emsigkeit

Belastbarkeit/Widerstandsfähigkeit

Ein Hund, der durch Empowerment Training gelernt hat Kreativ zu sein, der bietet neue Verhaltensweisen an, um ein Problem zu lösen (verbessertes Problemlöseverhalten) und gibt nicht sofort auf und zerfällt in Frust, wenn der erste Weg nicht zum erhofften Ziel führt (Ausdauer/Beharrlichkeit) und statt nur am Ball zu bleiben, versucht er stärker zum Erfolg zu kommen (Emsigkeit) und wenn er doch mal emotional wird, dann schafft er es nach kurzer Zeit sich wieder zu fangen und nicht zu einem emotionalen Wrack zu werden (Widerstandsfähigkeit).

Warum ist das nun so toll? Weil es das allgemeine Wohlbefinden des Hundes umheimlich steigert, wenn er “weiß”, dass die Welt für ihn vorhersagbar ist und das auch wenn mal ein Problem auftaucht, er die Fähigkeit hat, dieses zu lösen und auch wenn der erste Weg nicht zum Erfolg führt, er einen zweiten ausprobieren kann. Und selbst wenn es dann immer noch nicht zum Erfolg führt, dann hat er gelernt, dass es kein Drama ist, denn es gibt noch viele andere Möglichkeiten für ihn, sein Wohlbefinden wieder herzustellen.

Und was hat das nun mit Windrädern zu tun, fragt ihr euch wahrscheinlich grad. 🙂 Auf dem Foto seht ihr meinen Weißen Schweizer Schäferhund Leo. In seiner Charakterbeschreibung findet man die Wörter “Sensibel” und “Unsicher”. Er hat aber gelernt, dass er mit seinem eigenen Verhalten sein Wohlbefinden steigern kann. Dazu gehört, dass er Verhaltensweisen zeigt, die ihm positive Konsequenzen verschaffen. 

Ein paar Mal haben wir an einem Windrad trainiert, dass er sich selbstständig traut, auf das grobe Metallgitter vorm Eingang zu steigen und sich dort auch hinzusetzen und hinzulegen. Neben der Bodenbeschaffenheit ist auch die Lautstärke von einem Windrad von Nahem nicht ohne. Das erlernte Verhalten wurde entsprechend von mir verstärkt mit Hilfe von Futter und Spiel. Nun liefen wir die Tage auf ein ganz anderes Windrad zu, wo wir dies noch nie trainiert haben. Schon von weitem schien Leo zu erkennen, dass auch dieses Windrad den gleichen Metall-Treppenabsatz vorm Eingang hatte und lief voller Freude auf dieses zu, strotze dem starken Wind und lautem Getöse des unbekannten Windrades, sprang auf das Metallgitter und fing an, verschiedene Verhaltensweisen anzubieten. Würde ich es vermenschlicht ausdrücken, schien es, als ob er glücklich sei, die Chance auf einen Verstärker zu haben durch sein selbst gezeigtes Verhalten und gleichzeitig stolz wie Oskar ist, dass er sich traute – trotz lautem Getöse – sich auf das Metallgitter zu begeben und dort zu bleiben. Empowerment im Training hat es möglich gemacht.

Wenn auch ihr erfahren wollt, wie genau Empowerment Training aussehen kann, dann seit gespannt auf den nächsten Blog Beitrag!

 

¹O’Heare (2011) Empowerment, BehaveTechPublishing, Ottawa Canada

 

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